Julian lachte kurz und bitter.
„Nach acht Jahren Ehe behandelst du mich wie irgendeinen Angestellten.“
Nora sah ihn an.
„Heute Abend hast du mir gezeigt, dass du mich nicht mehr als deine Frau respektierst. Und in diesem Unternehmen wirst du mich künftig als die Person respektieren müssen, die ich tatsächlich bin.“
Dann öffnete sie die Tür.
„Für heute ist das Gespräch beendet.“
Kapitel 8: Die Wahrheit über die Diamantohrringe
Als Nora in den Ballsaal zurückkehrte, war die Feier noch immer im Gange.
Einige Gäste standen in kleinen Gruppen zusammen und diskutierten über die überraschende Bekanntgabe. Andere suchten bereits das Gespräch mit ihr.
Sie lächelte höflich, beantwortete Fragen zur Zukunft von Aurelia und versprach, in den kommenden Wochen weitere Informationen zu veröffentlichen.
Sie hatte keine Lust, über Julian zu sprechen.
Doch Camilla hatte andere Pläne.
Sie wartete in der Nähe der Garderobe.
Als Nora an ihr vorbeigehen wollte, trat sie einen Schritt zur Seite.
„Nora, können wir kurz reden?“
Nora blieb stehen.
„Worüber?“
Camilla blickte nervös in Richtung Ballsaal.
„Über Julian. Ich glaube, es gibt einige Dinge, die du wissen solltest.“
„Ich weiß bereits genug über Julian.“
Camilla schluckte.
„Du verstehst nicht. Er hat mir erzählt, dass eure Ehe praktisch vorbei ist.“
„Das hat er dir erzählt?“
„Ja.“
Nora lächelte ohne jede Wärme.
„Und du hast ihm geglaubt, ohne mich jemals kennenzulernen oder auch nur eine Frage zu stellen.“
Camilla sah zu Boden.
„Ich wollte niemandem wehtun.“
„Dann hättest du keine Affäre mit einem verheirateten Mann beginnen sollen.“
„Es war kompliziert.“
„Nein“, erwiderte Nora. „Es war bequem. Du wolltest seine Aufmerksamkeit, seinen Einfluss und die Vorstellung, dass er eines Tages ganz dir gehören würde.“
Camilla hob den Blick.
„Du hast keine Ahnung, was zwischen uns war.“
„Vielleicht nicht. Aber ich weiß, dass du meine Ohrringe trägst.“
Camilla erstarrte.
Nora betrachtete die Diamanten.
„Woher hast du sie?“
„Julian hat sie mir geschenkt.“
„Sie gehörten meiner Mutter.“
„Das wusste ich nicht.“
„Hast du ihn gefragt, woher er sie hatte?“
Camilla schwieg.
Nora nickte langsam.
„Natürlich nicht.“
Camilla berührte die Ohrringe, als wären sie plötzlich zu heiß geworden.
„Ich kann sie dir zurückgeben.“
„Das wirst du.“
„Ich wollte dich nicht verletzen.“
Nora sah sie lange an.
„Du musst mich nicht mögen. Du musst meine Entscheidungen nicht verstehen. Aber du solltest wissen, dass Menschen nicht zu Gegenständen werden, nur weil jemand glaubt, sie ersetzen zu können.“
Camilla nahm die Ohrringe vorsichtig ab.
Sie legte sie in ihre Handfläche und reichte sie Nora.
„Es tut mir leid“, flüsterte sie.
Nora nahm den Schmuck entgegen.
Sie wusste nicht, ob Camilla wirklich Reue empfand oder nur Angst vor den Folgen ihrer Entscheidungen hatte.
Vielleicht war es eine Mischung aus beidem.
„Du solltest dich darauf konzentrieren, deine eigene Zukunft zu sichern“, sagte Nora. „Und dich künftig von den geschäftlichen Vorgängen fernhalten, die untersucht werden.“
Camilla runzelte die Stirn.
„Was meinst du damit?“
Nora antwortete nicht sofort.
„Die Untersuchung betrifft nicht nur Julian. Einige der Lieferanten, deren Rechnungen geprüft werden, stehen in Verbindung mit Kontakten aus seiner Abteilung. Auch die Kommunikation über diese Verträge wird untersucht.“
Camilla wurde blass.
„Ich habe nichts gestohlen.“
„Das habe ich nicht behauptet.“
„Aber du glaubst, dass ich etwas damit zu tun habe.“
„Ich glaube, dass eine unabhängige Untersuchung die Wahrheit herausfinden muss.“
Nora steckte die Ohrringe in ihre Tasche.
„Wenn du etwas weißt, solltest du es offenlegen. Und wenn du Fragen hast, wende dich an die zuständigen Stellen.“
Dann ging sie weiter.
Camilla blieb allein zurück.
Zum ersten Mal begriff sie, dass die Nähe zu Julian ihr nicht die Sicherheit verschafft hatte, die sie sich erhofft hatte.
Sie hatte sich an einen Mann gebunden, dessen Selbstvertrauen größer gewesen war als seine Vorsicht.
Und jetzt wusste sie nicht, ob sie ihm überhaupt noch vertrauen konnte.
Kapitel 9: Die Nacht, in der alles zerbrach
Nora verließ das Hotel kurz vor Mitternacht.
Draußen hatte es zu regnen begonnen. Die Straßen glänzten im Licht der Laternen, und die Luft roch nach nassem Asphalt.
Sie stand einen Moment unter dem Vordach und atmete tief durch.
Ein Fahrer brachte sie zu ihrer Wohnung.
Während der Fahrt blieb ihr Blick an den vorbeiziehenden Gebäuden hängen.
Sie hatte geglaubt, dass sie sich nach der Bekanntgabe erleichtert fühlen würde.
